Jolan Rieger setzt sich in ihren lyrischen Werken vielfach kritisch mit gesellschaft- lichen Strukturen auseinander. In Gleichnissen zwischen Naturbeschreibungen und innerseelischen Abläufen werden aktuelle Fragen unserer Zeit angesprochen.
Seit 1996 bis heute sind 20 Gedichtbände mit weit über 5000 Gedichten (und ein Prosawerk) entstanden. Ein neue Gedichtband ist gerade erschienen (September 2010).
Meine Schritte sind leicht.
Der Boden federt.
Ich fühle ein Licht in mir.
Das sich vergrößert.
Mit jedem Schritt größer wird.
Das nach außen drängt…
Ich fühle darin das pulsierende Leben…
Mein Herz hämmert wild.
In ihm:
Dein Gesicht, das mit mir geht…
Das mit mir fühlt.
Das mit mir träumt…
Und,
ich fühle, dass sich unsere Träume
vermischen…
Im Äther begegnen…
Und, ich bin eins mit den Gewässern der Erde,
mit dem Wind, der meine Haarsträhnen berührt…
Mit den…
Mit den…
Beobachte die vorbeihuschenden
Lichter der Fahrzeuge, die die Muster
von Schatten und Licht gespenstisch
verändern…
Muster:
Von Schatten und Licht…
Zu geheimnisvollen Bildern werden
lassen…
Ein Blick aus graublauen Augen trifft mich voll.
Ein Blick, aus milden Augen…
Und:
Ich gehe weiter - mit federnden Schritten…
Mit dir in meiner Seele.
Mit dir - in meinem Herzen – lebe ich
intensiver…
Ein lichter Hain von Buchen.
Das Grün:
Licht durchwebt
.
Vom Frühling beseelt.
Schwarze Schwäne schwirren
über meinen Kopf hinweg…
Eine Amsel, die aus der Ferne ruft.
Und:
Nichts ersetzt den Blick, mit dem man
diese Bilder der Natur anschauen kann…
Steigt empor.
Taucht auf.
Entfaltet sich.
Wie ein Gewächs der Nacht…
Fahl schwingen die Wolken ringsum.
Der Mond versilbert die Welt…
Ich las bei E. Kästner:
Ein Zitat:
Ein Grieche sagt niemals - nie - er sagt höchstens
a v r i o - morgen !
Und, - m o r g e n - das ist ein Zauberwort, das bindet !
Ein Zauberwort, das bindet und löst !
Nun:
A v r i o ! ! !
( Sicher, vielleicht - oder nie…)
Ein Sonnenaufgang.
Tauwiesen.
Ein Tag, an dem es gelingt Himmel und
Erde zu sehen, anzuschauen.
In dem sie einem entgegen kommen.
Vom Sommerwind angeweht…
Im Sommerwind, - der ohne Eile ist
und ohne Zeit…
An der Wurm.
Ich sehe die schwimmenden Blütenblätter
auf der Oberfläche ihres Wassers…
… die steigen und fallen mit den Atemstößen
des Flusses…
Hier zu wandern, entlang der Uferböschungen,
ist ein Schönheitsgeschenk der Natur:
So viel blühende Stille an den Wegen entlang…
Und:
Ins Grünblaue des Himmels schmiegt sich
das Wasser der Wurm…
In der Weite des Niederrheins…
Der Fluss.
Der Silbersaum
der wehenden Äste der Weidenbäume…
Gruppen von Hochstammbäumen halten
das Lispeln ihrer Zweige, ihrer Blätter auf…
In der die Stille entsteht…
…in der leise, kaum vernehmbar, der Bäume
Frühlingsgespräche verklingen…
Es ist Abend.
Alles rückt in der Dämmerung
zusammen.
Alles rückt näher.
Je dichter der Schleier der Nacht
sich hebt…
Bedeckt die Erde, auf der noch
Sträucher, Bäume, Gräser und Blumen
wachsen…
Und,
…im Blau des Dämmerlichtes versinken
Wasser, Himmel, Ferne, - und tauchen auf,
der Seele Sehnsüchte…
Abenddämmerung.
Graue Schatten verdichten sich.
Zu einer Höhle.
Ich sitze im großen Wohnraum,
wie von grauen, warmen Decken
umhüllt…
Abgeschirmt von der Welt…
Der Raum steigt allmählich in die
Töne der Nacht.
Dämmerstunden der Behaglichkeit,
beginnen…
Dämmerstunden - sie sind zum träumen
gemacht…